
Seit Beginn sind wir Gäste am Genussfestival Wien, das heuer wieder vom 8. bis 10. Mai 2026 stattgefunden hat. Die Veranstalter, die ARGE Netzwerk Kulinarik gemeinsam mit der Stadt Wien, sprachen von einem Besuchsrekord: Mehr als 150.000 Menschen waren im Stadtpark auf kulinarischer Entdeckung unterwegs.
Wir sind meist unter den ersten Besucherinnen und Besuchern des Tages, denn wenn die Stoßzeiten beginnen, wird es mühsam. So waren wir am Freitag ab dem späten Vormittag unterwegs, trafen alte Bekannte und entdeckten ein paar neue interessante Produkte.
Das Ambiente des Stadtparks ist sehr angenehm, auf dem Rasen sind Liegestühle aufgestellt, die Bäume spenden mit ihren frischen jungen Blättern genügend Schatten und die Hektik der umliegenden Straßen wie Ringstraße und Zweierlinie bleibt außen vor. Die Stände sind diesmal sinnvoll gruppiert – in vier Zonen: „Wald und Wiese“, „Erde“, „Wasser“ und „Spezialitäten“. Das bot eine grobe Orientierung, ganz schlüssig war sie für uns nicht, aber grundsätzlich hilfreich.
Wir beschreiben hier vier Betriebe, die uns dieses Jahr auf dem Genussfestival Wien besonders aufgefallen sind. Das ist natürlich eine völlig subjektive und willkürliche Auswahl, aber dazu stehen wir auch.

Olivenöl aus dem Burgenland
Ein spannendes Projekt ist das Olivae Pannoniae Superioris. Die italienisch-österreichische Familie Pieretti-Eder hat im Jahr 2018 bei Rust im Burgenland Olivenbäume der Sorte Leccino angepflanzt und 2023 erstmals eigenes Olivenöl hergestellt. Seit damals steigert sich der Ertrag, der aber immer noch bei rund 20 Litern liegt. Das Öl wird tatsächlich auch in 0,1-Liter-Fläschchen verkauft, natürlich zu einem Liebhaber-Preis. Wir hatten die Gelegenheit, beim Festival ein paar Tropfen zu verkosten. Der erste Eindruck ist sehr positiv: Ein klassisch-herbes Olivenöl mit intensiver grüner Farbe, der Geschmack erinnert an Artischocke und etwas grüner Pfeffer und hat auch fruchtige Anteile. Das hat Potenzial, wenn die Mengen einmal steigen und die Preise auch in einen normalen Bereich kommen.
Aber man hat noch eine gute Idee: Aus den Blättern der Olivenbäume wird ein Tee hergestellt. Denn auch die Blätter enthalten die positiven Wirkstoffe des Öls, und über den
Olivenblättertee können diese aufgenommen werden.
Vielleicht wird schon in 10 Jahren das Burgenland Triest als das nördlichste Olivenanbaugebiet ablösen, denn es gibt noch andere Pioniere, z.B. in Mörbisch. Jetzt ist alles noch Experiment und Liebhaberei, aber wir wünschen eine gute Zukunft!
Nonessig
Auch eine bemerkenswerte Innovation bietet die Stadtlandwirtschaft Maleninsky in Enns. Neben Fruchtweinen und Cidern (auch alkoholfrei) wird ein säurereduzierter Essig zubereitet, der zu wenig Säure enthält, um Essig genannt zu werden. So entschied sich Frau Karin Maleninsky für die Bezeichnung „Nonessig“. Das ist originell und macht neugierig. Verwendet werden die Produkte wie Essig, da sie aber milder sind, können sie auch vielseitiger eingesetzt werden, nicht nur in Salatdressings, auch in Saucen, Cremen und Desserts. Die erhältlichen Geschmacksrichtungen sind: Birne, Gurke, Rote Rübe, Maracuja, Limette und Himbeere.
Ausprobieren und experimentieren ist das Motto. Wir haben einen Gurken-Nonessig erstanden, den man laut Frau Maleninsky sehr gut als natürlichen Geschmacksverstärker in Tsatsiki einbinden kann. Auch auf Mohneis soll er überraschend und sehr toll schmecken. Wir sind gespannt.

Marillenmarmelade für den König
In Mautern an der Donau kultiviert die Familie Freystetter die Wachauer Marille. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, doch im Falle dieses Betriebes offenbar doch. Denn er spezialisiert sich auf die Verarbeitung dieser hervorragenden Frucht zur Marmelade und sonst nichts. Hier wird kein Schnaps erzeugt, kein Likör, nur Marmelade von feinster Qualität. Und diese Konzentration wird belohnt: Mehrere Goldmedaillen wurden gewonnen und seit neuestem wird das schwedische Königshaus mit dieser Köstlichkeit beliefert. Was für ein Renommee!

Meine Weidegans
Unsere erste Begegnung war am Markt der Erde in Parndorf am ersten Samstag im Februar dieses Jahres. Dieser Markt ist an sich schon eine eigene Geschichte wert. Als Gänseliebhaber sind wir natürlich am Stand von „Meine Weidegans“ hängen geblieben und haben die feinen Butterschnitzerln gekauft und ein paar andere Spezialitäten. Am Genussfestival war die Wiederbegegnung unerwartet herzlich. Wir wurden sofort wiedererkannt und begrüßt wie alte Freunde.
Uns beeindruckt der Betrieb, weil er kompromisslos ist. Herkunft, Haltung und Schlachtung werden kontrolliert, sind ausnahmslos österreichisch, und die Gänseprodukte entstehen in Handarbeit in der Wiener Manufaktur. Wir kauften u. a. eine geräucherte Gänsebrust von einer Gans, die mehr Quadratmeter Auslauf und Weidefläche für sich selbst hatte, nämlich 80, als mancher Stadtmensch Wohnfläche. Der Gründer Wolfgang Scheiblauer macht alles richtig. Das schmeckt man.

Die Menschenströme am Genussfestival Wien nahmen merklich zu, an den Ständen bildeten sich schon Schlangen bzw. Trauben, vor allem, wenn es ums Konsumieren und Verkosten ging. Zeit für uns, das Feld zu räumen. Wir hatten schöne und interessante Begegnungen.

