Am 1. August waren wir gerade in Muggia, um uns ein paar Tage von unserer Baustelle in Wien zu erholen. An diesem Tag fand die Veranstaltung „Malvasia in Porto“ statt, die wir natürlich besuchen mussten. Schon vor fünf Jahren hatten wir einmal diese Gelegenheit, uns eine Übersicht über lokale Weinproduzenten zu verschaffen. Diesmal war eine große Anzahl für uns neuer Winzer dabei.
Mit dem Malvasier ist in der Karstregion die spezielle Sorte Malvasia Istriana gemeint, die sehr alt und vermutlich griechischen Ursprungs ist; der Name leitet sich von der Stadt Monemvassia auf der griechischen Peloponnes her. In Slowenien und Kroatien wird sie auf der Halbinsel Istrien sehr vielfältig gepflegt und ausgebaut, in Italien ist sie vor allem in den karstigen Regionen Friauls anzutreffen, aber auch in Teilen Venetiens. Die Charaktereigenschaften sind naturgemäß sehr unterschiedlich, hängen stark von den Bodenverhältnissen, dem Mikroklima und dem Ausbau ab, wobei letzterer Parameter hauptsächlich das Können der Winzer und Winzerinnen widerspiegelt. In den letzten Jahrzehnten kamen immer mehr die Orange-Weine oder lang mazerierten Weißweine als Naturweine in Mode, und da scheidet sich die Spreu vom Weizen sehr deutlich. Immer wieder stoßen wir auf Angebote, oft als „Amphorenweine“ angepriesen, die an der Grenze zum Trinkbaren und meist total überteuert sind. Zum Glück werden solche Trittbrettfahrer immer weniger, und wir finden mittlerweile häufig ganz hervorragende Naturweine, nicht nur in dieser Region, sondern auch in Österreich. Aber wir schweifen ab. Was wir als Österreicher noch vorausschicken wollen, ist, dass der österreichische Malvasier, wie der Frührote Veltliner manchmal noch genannt wird, nichts mit dem alten Malvasier gemein hat, sondern eine spontane Kreuzung von Silvaner und Rotem Veltliner ist. Woher die irreführende Bezeichnung für diesen autochthonen österreichischen Weißwein stammt, ist uns unbekannt.
Also widmen wir uns nun dem autochthonen Malvasia Istriana und seinen spannenden Erscheinungen. Die Veranstaltung bot einen Überblick von fast 40 verschiedenen Weinbaubetrieben aus dem Raum Triest, dem slowenischen Karst, dem slowenischen und kroatischen Teil Istriens, aus dem Collio, dem slowenischen Vipava-Tal (Wippachtal) und aus Caneva in der Provinz Pordenone.

Wir kannten bereits einen kleinen Teil der teilnehmenden Betriebe wie Zidarich, Sancin, Zaro, Lenardon, Bajta, die wir bei den Verkostungen ausließen, weil wir ihre Qualität kennen und schätzen. Dafür wandten wir uns den für uns noch unbekannten zu und wurden kaum enttäuscht. Wirklich schlechte Erfahrungen haben wir keine gemacht, alle hatten ein gutes Niveau. Bei manchen konnte man sagen, dass sie einfache und gute Weine machen, die angenehm zu trinken waren, aber derentwegen man keinen Umweg in Kauf nehmen muss. Sie haben als lokale Qualitätsproduzenten absolut ihre Berechtigung, besonders wenn sie auch noch eine Osmiza betreiben, was unserem Heurigen oder einer Buschenschank entspricht. Und es gab für uns etliche hochinteressante Weine zu entdecken, die meist auch die leidenschaftlichen und spannenden Persönlichkeiten der Produzentinnen und Produzenten widerspiegelten – oder umgekehrt.
Herausheben möchten wir folgende Weingüter, weil sie uns menschlich wie önologisch besonders gefallen haben:
Villa Vasi in San Mauro bei Gorizia. Hier ist eine Familie am Werk, die sich ganz dem Terroir des Collio bzw. der slowenischen Brda verschreibt. Sie produziert dies- wie jenseits der Grenze bis auf eine rote Cuvée nur Weißweine, besonders die autochthonen Sorten Ribolla Gialla, Friulana und den Malvasia Istriana, der bei ihnen als „Somnija“ in die Flasche kommt, als Hommage an die drei Kinder Miha, Nejc und Sofija. Ein frischer, nach gelben Pfirsichen und leicht nach Vanille duftender Malvasier, der sich am Gaumen mit Kräutern, rosa Grapefruit, einer marinen Note und einer feinen Säure ausbreitet.
Rive Col de Fer in Caneva, Provinz Pordenone. Wir lernten die begeisterte und begeisternde Winzerin kennen, die uns erklärte, dass ihre Familie eine der ganz seltenen Traubensorten des Veneto bzw. des Friaul kultiviert, nämlich den Verdiso, der als Schaumwein in zwei Varianten angeboten wird. Verdiso ist eine autochthone Rebsorte, die bereits zur Zeit der Republik Venedig bekannt war und die schon damals auf den Hügeln bei Caneva angebaut wurde. Wir konnten nur ihren Malvasia probieren, der eine komplexe Nase mit blumigen und nussigen Anklängen, im Mund noch Aromen von getrockneten Feigen sowie Mandeln aufwies. Geschmacklich frisch und vollmundig mit einer deutlichen Mineralität war er weich und rund im Abgang. Dieses Weingut ist auch Prosecco-DOC-Produzent.
Bio Vina Montis / Eko Laura in Marezige bei Koper. Diese Biolandwirtschaft im Dorf Montinjan produziert Wein, Brände und Olivenöl. Wir lernten die Winzerin selbst kennen, die offenbar herausragende Orange-Weine macht; wir konnten den frischen sowie den lange mazerierten Malvasia verkosten. Beides charaktervolle Weine mit reichem Bukett. Der Orange-Wein überzeugte mit seiner komplexen Struktur, die leichte süße wie herbe Noten vereinte; Nussaromen, Früchte, Säure und Mineralik waren gut miteinander verbunden.
Montemoro, in Triban bei Koper. Der Winzer Matjaž beeindruckte uns als Person mit seiner Fokussiertheit auf das Wesentliche, verbunden mit der langen Tradition des Weinbaus der Region und seiner Familie. So schmeckten auch seine Malvazijas, wir verkosteten einen jungen und einen gereiften – vollmundig, fruchtig, klar mit einem guten Reifepotenzial.
Gambaletto in Brajki bei Buje. Der einzige Kroate der Veranstaltung fiel uns schon durch seine besonders designten Flaschen auf, die er auf alte antike Formen zurückführt. Der Familienbetrieb produziert traditionsbewusst Wein und Olivenöl. Es werden nur die Sorten Malvazija Istrijana, Merlot und Teran angebaut. Der Malvasier bekommt durch eine mehrtägige Mazeration eine strohgelbe Farbe, reift dann 6 bis 12 Monate in Eichenfässern von 500 Litern. Ein schöner Wein, der das istrianische Terroir perfekt widerspiegelt, einfach zugänglich, aber doch mit Tiefgang.
Erneič in Šempas im Vipavatal. Die Familie Erneic ist stolz darauf, dass man ihre Wurzeln mehr als 200 Jahre zurückverfolgen kann; man spürt im Gespräch die Verbundenheit mit der Landschaft und der Kultur der Region (sie waren die ersten, die wir begeistert vom Europäischen Kulturhauptstadtjahr in Nova Goriza sprechen hörten). Mit dem Weinbau begann sie vor rund 100 Jahren, es entstehen autochthone Weine mit Charakter wie Rebula (Ribolla Gialla) und Malvasier, ergänzt von den internationalen Sorten Cabernet Sauvignon und Merlot sowie Weiß- und Rotweincuvées. In ihrem idyllisch gelegenen Weingut im Wippachtal wollen sie für nur maximal 12 Personen Weinverkostungen durchführen, um den persönlichen Kontakt zu jedem einzelnen zu haben. Der frische Malvazija war jedenfalls vielversprechend.
Nicht verschweigen wollen wir noch die von uns schon lange sehr geschätzten Produzenten aus der Region: Bruno Lenardon in Muggia ist ein hochpräziser Arbeiter, dessen Weine und Olivenöle genau das Terroir, seine Akribie und Qualitätsansprüche widerspiegeln. Der Betrieb Sancin auf dem Montedoro zwischen Muggia und Triest ist modern geführt, die Olivenöle sind großartig und von höchster Qualität, klassische autochthone Weinsorten sind Glera (eigentlich die Prosecco-Traube), Malvazija und Refosco; Merlot, Chardonnay und andere ergänzen das Sortiment, in dem auch immer wieder experimentiert wird. Zurzeit wird der Ausbau des Malvasia im Betonei erprobt. Zaro aus dem slowenischen Izola ist ein Weingut in dritter Generation, das ausschließlich hervorragende Malvazija- und Refosco-Weine in verschiedenen Mazerationsstufen herstellen. Der Geschmack ist nicht nur mit dem Boden der Weingärten, sondern auch mit dem nur 1 km entfernten Meer verbunden.
Wir hoffen, dass wir mit diesem kleinen Ausschnitt Lust auf Malvasier der istrianischen Sorte und das Interesse geweckt haben. Die Vielfalt ist unüberschaubar groß und wir erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Wir haben einfach unsere Eindrücke erzählt, die unseren Geschmack und unser Verständnis vom Umgang mit Lebensmitteln wiedergeben. Am besten ist immer, selbst ausprobieren!